Erwin Messmer heißt der Hebeldank-Träger 2026

 

Der Schweizer Autor und Organist Erwin Messmer ist mit dem Hebeldank des Hebelbunds ausgezeichnet worden. „Existenzielle Fragen wie der Tod, der nahestehenden Menschen wie der eigene, werden in eindrücklichen Bildern aufgeworfen“, sagte Volker Habermaier, Präsident des Hebelbunds, in seiner Laudatio auf den Autor, der in Sankt Galler Mundart und in Hochdeutsch schreibt. Humor sei der Grundtenor vieler Texte Messmers. „Humor hier nicht im platten Sinne   verstanden“, so Habermaier. Messmer verstehe ihn vielmehr im Sinne des deutschen Dichters Jean Paul (1763 bis 1825) als das umgekehrte Erhabene. Einen Gastrosophen nannte Volker Habermaier zudem, denn er umkreise in seinen Gedichten und Prosastücken das Thema des Essens, Trinkens und Genießens.

Foto: Annemarie Rösch

Erwin Messmer bedankte sich für die „Ehre des Preises“, der an den großen Dichter Johann Peter Hebel erinnert. Dieser ist am 22. September vor 200 Jahren in Schwetzingen gestorben. Die Dichtung Hebels und die göttliche Musik des Komponisten und Pianisten Franz Liszt (1811 bis 1886) bestärkten ihn in dem utopischen Wunsch, dass die Großmäuler dieser Epoche neutralisiert werden könnten. Bei Hebel klinge Liebe, Zuversicht und Humor an. In seiner Dankesrede spielte er auf die aktuellen Kriege an. Erwin Messmer beklagte die Brutalität des Menschen, die zerstörerischen Instinkte und den stupiden Furor. Er komme nicht umhin, einen Seufzer über die heutige Zeit auszustoßen.

Die große Bedeutung des Belchens für Johann Peter und seine Dichtung hob Festredner Thomas Schmidt in seinem Vortrag zu Hebels Orten hervor. Der Germanist leitet das Deutsche Literaturarchiv Marbach und ist Honorarprofessor der Universität Heidelberg. Was ungewöhnlich war für die damalige Zeit: Hebel unternahm zusammen mit seinem Freund Wilhelm Hitzig im Jahr 1791 eine Wanderung durchs Wiesental auf den Blechen. Mehr als 30 Kilometer Fußmarsch legten die beiden zurück. Auch an der Ruine des Röttler Schlosses kamen die beiden vorbei. Einst starb Hebels Mutter Ursula mit Blick auf die Ruine auf dem Weg von Basel nach Hausen. Der Alpinismus hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht begonnen. „Wer zu Hebels Zeiten wanderte, war entweder kriminell oder aber ein Handwerker“, sagt Thomas Schmidt.

Für Hebel blieb der Belchen ein Orientierungsort. Von einem „Wallfahrtsort“ spricht Thomas Schmidt. Der Berg spielt auch in Hebels Gedicht „Die Vergänglichkeit“ eine wichtige Rolle. Das  „ergreifendste“ von Hebels Gedichten nennt es Thomas Schmidt. Mit Blick auf das Röttler Schloss entwickelt Hebel eine apokalyptische Untergangsvision. Der Belchen steht am Ende verkohlt da und der Vater sagt zu seinem Bub, man werde sagen, dass dies einmal der Blechen gewesen ist. Der Belchen bleibe also ein Orientierungspunkt in einer zerstörten Welt, so Schmidt. Der Germanist arbeitet heraus, dass Hebel immer wieder – auch in anderen Gedichten – thematisiert, dass alles vergänglich ist, alles fließt und nichts bleibt, wie es einmal war. In seinen Ortsnennungen habe Hebel gleichwohl versucht, sich mit aller Macht an die Welt zu binden, sein Herkunftsraum sollte von der Vergänglichkeit bewahrt werden.

Prälat Marc Witzenbacher nahm im Hebel-Gottesdienst in der frisch renovierten Stadtkirche Bezug auf eine Predigt Hebels aus dem Jahr 1802, die er typisch findet für die Glaubenshaltung des Theologen und Dichters. Damals predigte Hebel zu Kapitel 15 des Johannes-Evangeliums, Verse 1 bis 8: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“  Der Dichter habe damals die Gläubigen ermahnt, aus der Verbindung mit Jesus zu leben und nicht aus eigener Kraft. „Die Rebe bringt keine Frucht hervor, weil sie sich anstrengt, sondern weil sie mit dem Weinstock verbunden ist“, so Witzenbacher. Zusammen mit Gudrun Mauvais, Pfarrerin der Stadtkirche, hielt er den Hebel-Gottesdienst.

„Hebel! Des isch für uns nit numme e Ma, wo Versli gmacht hät und netti Gedichtli… Hebel isch Sehnsucht! So wotte mr sii. Z innerst inn gsammlet un z fride debii“, zitierte Inge Hemberger, Vizepräsidentin des Hebelbunds, die Rede des Dichters Gerhard Jung. 1974, als er den Johann-Peter-Hebel-Preis des Landes Baden-Württemberg entgegennahm, hatte er diese gehalten. 2026 ist nicht nur ein Hebel-Jubiläums-Jahr. Gerhard Jung wäre 100 Jahre alt geworden, erinnerte Inge Hemberger. Sie dankte auch Martina Günther am Klavier für die musikalische Gestaltung des Hebel-Gottesdiensts. Gregor Hänssler umrahmte die Hebel-Dank-Verleihung mit Werken des Barockkomponisten Nicola Matteis und des Romantikers Heinrich Wilhelm Ernst.

Gastgeber Jan Merk vom Dreiländermuseum machte deutlich, dass er den Hebelbund immer gerne in seinen Räumen empfängt. Er erinnerte daran, dass Hebel in dem historischen Gebäude als Lehrer einige seiner schönsten Jahre verbracht hatte.

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